Gerald Asamoah – Fröhlicher Malocher mit Herz

Aus dem Grinsen kommt er an diesem Nachmittag nicht mehr heraus. Dieses charismatische Lachen – sein Markenzeichen – zu sehen in voller Pracht. Soeben hat sein FC Schalke 04 das Revierderby bei Borussia Dortmund mit 4:2 gewonnen, den Erzrivalen dabei förmlich auseinandergenommen. Balsam für die Fan-Seele und tröstliches Highlight einer total verkorksten Saison 2018/19. Gerald Asamoah weiß, was dieser Erfolg für Königsblau bedeutet. Es ist der wichtigste Sieg überhaupt. Kaum ein anderer hat als Spieler den Klub-Slogan „Wir leben dich“ derart verkörpert, wie er. Als Teammanager ist er inzwischen wieder mittendrin im Schalker Wahnsinn. Dort, wo er zum Kultkicker wurde und wohl allzeit Heldenstatus genießen wird.

Training auf Schalke, Gerald Asamoah betritt das Gelände. „Ey Asa, zieh dir ein Trikot über, wir brauchen Typen wie dich!“. Ein Fan bringt es auf den Punkt. Nach den teils blutleeren Auftritten der Königsblauen sehnen sich die Zuschauer wieder nach Spielern, wie ihn. „Er ist ein Malocher, ein guter Spieler und vor allem ein echter Kämpfer. Man kann schlecht spielen, aber nicht schlecht kämpfen“, beschrieb einst Teamkollege Ebbe Sand den gebürtigen Ghanaer.

Asamoah ging stets mit gutem Beispiel voran. Weniger als Filigrantechniker, dafür mit Power und unermüdlichem Einsatz. Ex-Mitspieler Heiko Westermann: „Dem kannst du den Ball kaum abnehmen. Mit seinem dicken Hintern schirmt er den zu gut ab“. Seine Art zu spielen und seine Leidenschaft machten ihn zum Liebling der Fans. Er hat ein feines Gespür dafür, wie die Menschen auf Schalke ticken und ihren Verein leben – und er wurde einer von ihnen. Insgesamt 15 Jahre lang trug der Stürmer das königsblaue Trikot. 279 Spiele, 44 Tore, zwei Pokalsiege und vier Vize-Meisterschaften (u.a. 2001 „Meister der Herzen“) stehen in seiner Vita. Mit der Nationalmannschaft wurde er Vize-Weltmeister 2002 und WM-Dritter 2006 („Sommermärchen“). Zum Ende seiner Karriere schnürte er zwischen 2010 und 2013 noch die Stiefel für den FC St. Pauli und Greuther Fürth, bevor er seine aktive Laufbahn bei der U23 des FC Schalke bis 2015 in der Regionalliga ausklingen ließ.

Das Fußballspielen gelernt hat er auf den Dorfplätzen seines Heimatorts Mampong in Ghana. Mit zwölf Jahren der Neuanfang in Deutschland. Mit 19 wird beim jungen, aufstrebenden Kicker ein Herzfehler festgestellt – das abrupte Karriereende droht. Spezialisten beziffern die Gefahr eines Herzstillstandes auf unter ein Prozent und Asamoah entscheidet sich, weiterzumachen. Über BV Werder Hannover und Hannover 96 kommt er 1999 zum FC Schalke 04, feiert am 14. August 1999 gegen Arminia Bielefeld sein Bundesliga-Debüt und erzielt eine Woche später gegen Bremen sein erstes Bundesliga-Tor zum 1:0-Auswärtssieg. Sein Trainer damals: Huub Stevens. 20 Jahre später sitzen beide aktuell zusammen auf der Bank.

„Mit meiner Erfahrung möchte ich helfen, dass Schalke wieder in die Spur kommt – und positive Energie in die Kabine bringen“, erklärt der 40-Jährige seine Motivation, sich als Teammanager zu engagieren. Zuvor hat er diesen Job bereits bei der U23 des Klubs ausgeübt. „Wir müssen wieder Lockerheit ins Team bringen“, sagt er. Mit seiner unverwüstlichen optimistischen Art und seiner Vereinsliebe könnte es wohl keinen besseren Stimmungsmacher geben als ihn. „DJ Asamoah“ der WM 2006 lässt grüßen.

2001 entscheidet er sich für den deutschen Pass und wird der erste in Afrika geborene DFB- Nationalspieler. „Ich bin von allen deutschen Nationalspielern bisher der Schwärzeste“, stellte er damals mit seinem typischen Humor treffend fest. Wegen seiner Hautfarbe wurde er oft angefeindet. Deshalb engagiert er sich intensiv im Kampf gegen Rassismus. „Wir sind Vorbild für viele junge Leute. Daher ist es wichtig, über dieses Thema zu reden. Wir sind alle gleich, egal welche Hautfarbe jemand hat, was er glaubt oder wen er liebt. Diese Botschaft müssen wir transportieren.“

Trotz aller Widrigkeiten hat Asamoah es zum Fußballstar geschafft. Willensstärke, Optimismus, Hartnäckigkeit und eine Menge Frohsinn prägen seine Persönlichkeit. Hilfsbereit, ohne Allüren, mit einem großen Herzen für den Fußball und seine Mitmenschen, charakterisierte ihn Nationaltorwart und Ex-Schalker Manuel Neuer.

Von seinem Glück will „Asa“ nachhaltig etwas zurückgeben. So gründete er 2007 die „Gerald Asamoah Stiftung für herzkranke Kinder“, die Behandlungen und Operationen unterstützt. „Meinem Herzen geht es gut. So soll es auch bei anderen sein.“ Sagt´s mit seinem unnachahmlichen Lächeln und schnell merkt man, dass ein Derbysieg eben doch nicht alles ist.

_Markus Hoffmann

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