Ansgar Brinkmann: Bis 5 Uhr morgens in der Stammkneipe zu erreichen

Er gilt als einer der letzten Straßenfußballer Deutschlands, seine Qualität ist unbestritten. Doch Dank seines lockeren Lebensstils hat es Ansgar Brinkmann nie zu einem der ganz Großen in Deutschland geschafft. Er sorgte für Schlagzeilen, die ihm den Spitznamen „Trinkmann“ eingebracht haben, dabei klingt „weißer Brasilianer“ doch eigentlich viel besser.

So nämlich taufte ihn einst sein Trainer Rolf Schafstall zu Brinkmanns Zeit in Osnabrück, seinem ersten Profiverein, auf seine Spielweise bezogen. Eine große Karriere sollte dem 1969 im niedersächsischen Vechta geborenen Spieler vorausgesagt worden sein, wären da nicht die Eskapaden gewesen.

Brinkmann hielt es bereits in jungen Jahren für nötig, von seinen ersten Verdiensten sich einen Porsche zu leisten, mit dem er gegen 5 Uhr morgens nach einem Auswärtsspiel in Chemnitz in eine Polizeikontrolle geriet. Sein damaliger Trainer Gelsdorf hatte eigentlich für 10 Uhr ein Training angesetzt. Brinkmann und seine Begleitung (Zitat „Eine zufällige Bekannte, die in der Nähe wohnt und die ich nach Hause bringen sollte.“) gerieten mit der Polizei aneinander und er wurde schließlich zur Vorbereitung des Alkoholtests von den Beamten in den Polizeiwagen gesperrt. Brinkmann konnte jedoch die Tür durch das offene Seitenfenster von außen öffnen und über Zäune und durch Vorgärten flüchten. Seine Begleitung und den Porsche lies er zurück, erst Stunden später traf er in der Wache ein, um sein Auto zurückzuverlangen. 42.000 Mark Strafe muss er laut Gericht zahlen. Seinen Porsche tauscht er gegen einen unauffälligen Ford Ka, „damit mich die Beamten nicht jedes Mal anhalten“.

 

Solche Anekdoten haben Ansgar Brinkmann zu einem Kult-Kicker gemacht, denn auf dem Rasen zeigte er sich immer von seiner besten Seite. Er sei halt ein Sturkopf und hat auch ungefragt immer den Mund aufgemacht, erklärt er heute. Das hat ihm möglicherweise eine größere Karriere verbaut, aber bei den Fans kam das immer gut an. Privat ist er ein Spaßvogel, auf dem Platz jedoch gnadenlos, verbissen und ehrgeizig. „Ich hätte heute lieber 50 Länderspiele als 50 Anekdoten“, so Brinkmann, „aber ich bin kein Mensch, der rumheult. Sei’s drum.“

Ansgar Brinkmann ist weit rumgekommen. 316 Spiele hat er in der 2. Bundesliga absolviert, für Osnabrück, Mainz oder Dresden. Doch länger als 2 Saisons ist er fast nirgends geblieben. Nur einmal: Trotz des Abstiegs mit Preußen Münster spielte er sogar mal für 2 Jahre in der Oberliga. Das kommt natürlich bei den Fans gut an, bricht doch sonst jedes Team heutzutage nach dem Abstieg fast komplett auseinander. Brinkmann war sich auch nicht zu schade, bei nahezu jedem Erzfeind des Exklubs im Raum Ostwestfalen einen Vertrag zu unterzeichnen. So ist Ansgar Brinkmann, er sagt und macht, was er denkt, ohne Rücksicht zu nehmen. So war auch lange Zeit auf seinem Anrufbeantworter der Spruch „Ich bin bis morgens um 5 Uhr in meiner Stammkneipe zu erreichen.“ Wahrscheinlich wird an diesem selbstironischen Spruch auch ein Hauch Wahrheit zu finden sein.

Sportlich war Brinkmann eher der Mann fürs Grobe. Ein ewiger Antreiber, wie gemacht für die 2. Liga. Zweimal schaffte er mit seinem Team den Aufstieg (Eintracht Frankfurt 1998, Arminia Bielefeld 2002), doch er blieb jeweils nur 1 Jahr in der obersten Spielklasse, bevor er wieder einmal den Verein wechselte. In Gütersloh legte Brinkmann 1996 nach einer Weihnachtsfeier den „schnellsten Sprint“ seiner Karriere hin: Sechzig Meter über sieben Taxen hinweg, mit Rolle vorwärts von der letzten. Später flog noch ein Pflasterstein aus seiner Hand in ein Schaufenster eines Möbelhauses. Schaden insgesamt: 25.000 Mark.

Ein Großteil der Geschichten zu Ansgar Brinkmann gibt es jedoch aus seiner Zeit bei Arminia Bielefeld. So saß er vor dem Auswärtsspiel in Bochum eine Stunde vor dem Anpfiff in der Kabine und verschlang während der Ansprache des Trainers genüsslich eine Schale Pommes rot-weiß. „Das ist mein Benzin fürs  Spiel“, antwortet er lässig auf Trainer Möhlmann, der beinahe an die Decke geht. Brinkmann bereitet beim folgenden 4-1 Sieg 2 Tore vor.

 

Zusammen mit seinem Mannschaftskollegen Dirk van der Ven vergnügte sich Brinkmann eines Nachts auf einer Eisbahn in Gütersloh. Als der Wachmann die beiden Eindringlinge zur Rede stellen will, wird er verprügelt. Brinkmann soll auf der Flucht noch „Wenn du die Polizei rufst, schlag ich dich tot, du Penner!“ gerufen haben, was den ehemaligen Polizisten und Arminia-Hool jedoch nicht davon abhielt, genau dieses zu tun. Die Polizei konnte kurz darauf die Flüchtlinge fassen. Das Vorkommnis verbreitete sich wie ein Lauffeuer, Brinkmanns Reaktion gegenüber der Presse lautete jedoch nur „Schreibt doch auch noch, dass ich Bin Laden im Keller verstecke.“ Später entschuldigte er sich für den Vorfall.

Schon wenige Monate zuvor hatte Brinkmann Ärger mit der Polizei. In einem Schnellrestaurant hatte er sich eine Schlägerei mit anderen Gästen geliefert, von ausgiebiger Zechlage im Vorfeld ist stark auszugehen. Auslöser soll unter anderem die Aussage Brinkmanns „Gerade habe ich 800 Mark für Schampus ausgegeben und immer noch 2,5 Millionen auf der Bank.“ gewesen sein, die er umstehenden Frauen zuwarf. Dabei hatte Brinkmann gerade erst Geld verloren, indem er falschen Beratern vertraute und bei einer erfolglosen Investition für eine Bielefelder Einkaufpassage nach eigener Angabe rund 150.000 Euro verlor.

2007 absolvierte Brinkmann im Trikot von Preußen Münster sein letztes Spiel seiner Profilaufbahn. Am 27. März 2009 fand sein Abschiedsspiel vor 4100 Zuschauern in der Bielefelder SchücoArena statt. Das Spiel zwischen dem Team Ansgar und den Arminia-Allstars endete 6:6. Kurz vor Schluss holte sich Brinkmann noch symbolisch seine letzte rote Karte. Für die Kult-Elf ist er jedoch nicht gesperrt.

Das ist Ansgar Brinkmann

Geburtstag: 05. Juli 1969
Nationalität:
Deutschland
Bundesligavereine:
Eintracht Frankfurt, Arminia Bielefeld
Bundesligaspiele:
59
Bundesligatore:
3
Länderspiele:
0
Länderspieltore:
0
Platzverweise: 1
Titelgewinne:
Website: offizielle Website, inoffizielle Fanpage mit vielen Berichten und Anekdoten

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