Uli Borowka: Kompromisslose Axt mit weichem Kern

Er war ganz oben und dann kam der tiefe Fall. Von seinen treuen Fans wird Ulrich Borowka nur liebevoll „Uli“ genannt, als Gegenspieler kennt man den beinharten Verteidiger unter seinem Spitznamen „Die Axt“. Borowka spielte 6x für die Deutsche Nationalmannschaft, war sogar polnischer Meister und hatte in keinem geringeren als Diego Maradonna seinen Lieblingsgegenspieler gefunden. Aber sein größter Kontrahent stand nicht mit auf dem Feld. Es war der Alkohol.

Inzwischen hat Borowka dieses Duell gewonnen, auch wenn er lange Zeit aussah, als wäre dieser Gegner für Borowka eine Nummer zu groß. Seine Ehe hat es ihn gekostet, Skandale abseits des Spielbetriebs prägten lange Zeit die Schlagzeilen um den Mann, der seine Profikarriere 1981 bei Borussia Mönchengladbach beginnt. In einer Zeit, in der Borussia Mönchengladbach seine goldene Zeit hat, viel Hacke-Spitze gespielt wird, schickt Jupp Heynckes den damals 20-Jährigen erstmals aufs Feld. Wie so häufig beweist er dabei einen guten Riecher. Zusammen mit Lothar Matthäus, Frank Mill und Hans-Günter Bruns wächst Borowka über 5 Jahre hinweg zu einer feste Bank in der Elf vom Niederrhein. Mit seiner unkonventionellen und kompromisslosen Spielweise und entsprechendem Auftreten neben dem Platz erobert er die Herzen der Fans. Mit höchster Motivation und seinem berüchtigten Eisenfuß erarbeitet er sich einen teils furchterregenden Ruf in der Branche. Olaf Thon begrüßt er bei dessen Bundesligadebüt 1984 beispielsweise mit den Worten „Ich brech dir gleich die Beine“.

 

1987 holt Otto Rehhagel ihn nach Bremen, wo Borowka der Sprung in die Nationalmannschaft gelingt. Als Gegenspieler bekommt er zu seinem Debüt im Spiel gegen Argentinien niemand geringeren als Diego Maradonna zugewiesen. Deutschland gewinnt das Spiel 1-0. Nationaltrainer Franz Beckenbauer zeigt sich begeistert von der Leistung und beruft Borowka in den Kader zur Fußball-Europameisterschaft 1988 im eigenen Land. Bei allen 4 deutschen Endrundenspielen steht Borowka auf dem Platz, die Halbfinalniederlage gegen den späteren Sieger Niederlande ist allerdings das letzte Länderspiel für gebürtigen Mendener. Beckenbauer krempelt nach dem mittelmäßigen Abschneiden das komplette Team um, der Erfolg der Maßnahmen mit dem Titelgewinn sollte ihm 1990 recht geben.

Obwohl die Nationalmannschaftskarriere beendet ist, gibt Borowka bei seinem Verein weiter Gas. 8 Jahre in Folge absolviert er jeweils mehr als 20 Spiele pro Saison und gehört zum festen Bestandteil einer aufstrebenden Bremer Mannschaft. Mit genau dieser wird er 1988 und 1993 Deutscher Meister und gewinnt 1991 und 1994 den DFB-Pokal. Sein größter Erfolg ist allerdings der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger, der bisher auch größte Erfolg des Vereins. 1990 erzielt er mit einem Volley-Schuss aus gut 30 Meter sein wahrscheinlich schönstes Tor der Karriere zu einem 1-0 Sieg gegen die zu diesem Zeitpunkt übermächtigen Bayern aus München. Das Tor wird später zum Tor des Monats September gewählt.

 

Borokwka genießt seinen Ruf als ungemütlichster Gegenspieler der Liga und pflegt ihn mit Aussagen wie „Auch wenn wir heute verlieren, einer von Euch kommt heute noch ins Krankenhaus!“ entsprechend. Aber hinter der harten Schale steckt ein weicher Kern, der Privatmensch Borowka. 1996 wird zum ersten Mal von Alkoholproblemen berichtet, als Borowka nachts seinen Porsche betrunken gegen einen Baum fährt. Der damalige Manager Willi Lemke berichtet später, Borowka wollte sich nicht helfen lassen, obwohl alle das Problem kannten. Die Leistung nahm ab und der Alkoholkonsum zu. Borowka bekommt private Probleme mit seiner Frau, es kommt zu betrunkenen Auseinandersetzungen, die Ehe zerbricht. Borowka springt heute reflektierend: „Als wir ein Haus für die Familie bauten, sagte ich zu meiner Frau: Du, wir bauen da einen Kühlraum dran. Das ist gut für Obst und Gemüse. Als es fertig war, habe ich mich bei Hitze reingesetzt und einen Kasten Weizenbier getrunken.“

Bei Bremen wird Borowka schließlich gekündigt, er wechselt zu Hannover 96 und dann nach Polen zu Widzew Łódź. Er ist der erste Deutsche in der obersten Liga Polens, wird sogar Meister, doch den Alkohol hat er noch nicht besiegt. Erst im Jahr 2000 geht Borowka in eine Entzugsklinik, die ihn heilt. 4 Monate, die sein Leben retten, bis heute hat er die Finger vom Alkohol gelassen. Die Notbremse gezogen, obwohl es eigentlich schon viel zu spät dafür war. Zu seinen Kindern aus erster Ehe hat er wieder Kontakt, mit seiner aktuellen Lebensgefährtin lebt er in Berlin und spielt Golf und trainiert Nachwuchskicker.

Der gefürchtete Haudegen von damals ist ruhig geworden. Eine ganz neue Seite, die lange verborgen blieb. Sie gehört zu dem Mann, der als Legende einen großen Platz in der Kult-Elf sicher hat.

Das ist Uli Borowka

Geburtstag: 19. Mai 1962
Nationalität: Deutschland
Bundesligavereine: Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen
Bundesligaspiele: 388
Bundesligatore: 19
Länderspiele: 6
Länderspieltore: 0
Platzverweise: 1
Titelgewinne: Europapokalsieger der Pokalsieger 1992. Deutscher Meister 1988, 1993. Deutscher Pokalsieger 1991, 1994
Offizielle Website: http://www.uli-borowka.de

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Ein Kommentar

  1. Ich habe das Buch von Uli Borowka gelesen und unter: http://www.alko-hohl.de/buecher/uli-borowka-volle-pulle-mein-doppelleben-als-fussballprofi-und-alkoholiker eine Rezension geschrieben. Ich finde das Buch sehr empfehlenswert für alle die ein Alkoholproblem haben aber auch für alle interessierten.

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