Andreas Möller – Mailand oder Madrid? Er geht nach Ungarn

Jüngst qualifizierte sich die Fußball-Nationalmannschaft Ungarns für die Europameisterschaft in Frankreich. Im EM-Playoff-Spiel triumphierte die Elf vom Cheftrainer Bernd Storck über Norwegen und zog das EM-Ticket für Frankreich (1:0 Sieg im Hinspiel; 2:1 im Rückspiel). Das Ergebnis ist eine Sensation, denn die letzte Qualifikation zur EM liegt schon ein Weilchen zurück, genau gesagt im Jahre 1972.

Extra für die zwei Playoff-Spiele ließ Storck seinen alten Gefährten aus Dortmunder Zeiten einfliegen. „Andy“ Möller sorgte dann auch als Assistenztrainer für die entscheidende Brise Motivation. Was er beisteuern kann? „Ich kann den Spielern erzählen, was es bedeutet, bei einer EM zu sein“, so der ehemalige Fußballkicker.

 

Bis auf einzelne Einsätze als Co-Kommentator bei Fußballspielen war Möller seit seinem Rücktritt 2011 als Manager der Kickers Offenbach äußerst unscheinbar. Gerade wünschte man sich den Ex-Profi an der Seitenlinie eines italienischen Top-Klubs – Mailand oder Madrid, das wäre egal – da holte man ihn nach Ungarn. Die Lizenz zum Fußball-Lehrer besitzt „Andy“ seit 2005. Die Trainerkarriere zündet allerdings bisher nicht wirklich. Bei einem Praktikum (2007) bei seinem früheren Arbeitgeber Juventus Turin, schaute er intensiv auf die Finger des dortigen Trainers Didier Deschamps und schien nun eigentlich gerüstet für ein reizvolles Engagement in Deutschland: beim Oberligisten Viktoria Aschaffenburg in der Saison 2007/2008. Doch der Trainererfolg verbleibt noch in der Warteschlange. Woran kann es liegen? Zu Zeiten seiner Fußballkarriere gestand Andreas Möller in einem Interview: „Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber.“ Vielleicht hat er daran gearbeitet und führt nun die ungarische Nationalmannschaft zum Erfolg.

Erfolgreich sein kann er ja! In seiner aktiven Fußballkarriere gewann er sämtliche nationale wie internationale Titel, die einem einfallen. Ob Deutsche Meisterschaft, DFB- oder UEFA-Pokal, Champions League oder Weltpokal, Europa- oder Weltmeisterschaft. In dieser Beziehung zählt er zu den erfolgreichsten deutschen Fußballprofis. Insgesamt bestritt er 429 Bundesligaspiele (110 Tore) und 85 Partien für die DFB-Elf (29 Tore).

Seine Karriere begann bei der Eintracht. Nachdem er 1985 in den Profi-Kader rutschte, spielte sich Möller nach und nach in die Mannschaft (22 Einsätze in der Saison 1986/1987). Schon in der folgenden Saison stieg der technisch versierte Mittelfeldspieler zum Leistungsträger auf. Spätestens jetzt wurde Borussia Dortmund auf den Youngster aufmerksam und reagierte sofort. Noch im Winter 1987/1988 holte man ihn zu der Borussia, was Möller mit einem Treffer bei seinem Debüt quittierte. Es brauchte nur eine Saison, bis er mit dem BVB mit einem 4:1-Sieg über Bremen seinen ersten nationalen Titel in die Vitrine stellen durfte. Es folgte eine Zwischenzeit zunächst wieder bei der Eintracht, später dann ein kurzes Rendezvous mit der „Alten Dame“, bei dem 1993 der Triumph im UEFA-Pokal heraussprang, bis „Andy“ wieder zurück zu Dortmund eilte, um den größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte zu feiern: die Champions League (1997).

Manche mögen mit Andreas Möller auch seinen zweiten Vornamen „Heulsuse“ assoziieren. Auch wenn er in Sachen Technik und Übersicht überragend war, zählte Zweikampfstärke nicht gerade zu seinen Tugenden. Oft glänzte er als Schwalbenkönig wie im diskussionsreichen Spiel gegen den KSC, als er bei dem Spielstand von 0:1 einen Elfmeter zu Unrecht herausholte, der das Spiel noch kippen sollte. Später wurde er als erster Spieler wegen einer Schwalbe vom Sportgericht des DFB für zwei Spiele gesperrt und zusätzlich mit einer Geldstrafe von 10.000 DM sanktioniert.

Als er im Jahre 2000 vom BVB zum Erzrivalen Schalke 04 wechselte, schienen die Tränen mehr als getrocknet zu sein. Er streckte die Brust raus, setzte sich im Kampf um die Stammformation durch und wurde mit dem doppelten DFB-Pokal-Sieg belohnt. Seine Karriere beendete Möller bei seinem Ursprungsverein Frankfurt, wo er allerdings die Erwartungen der Fans als großer Rückkehrer nicht erfüllen konnte.

Aber wenn wir Andreas Möller als Kultkicker vorstellen, dann haben wir wie er selbst einmal gesagt hat „vom Feeling her ein gutes Gefühl“.

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