Peter Közle – Gefeiert, am Feiern, Verhasst!

Lange Haare – am liebsten Rasta-Locken – Tatoos, einfaches Outfit, bei dem der Adidas-Schuh nicht fehlen darf, am Wochenende in die Kneipe, ein wat oder dat auf den Lippen … das klingt eigentlich wie die perfekte Beschreibung eines Vorzeige-Ruhrpottlers. Doch die Rede ist vom ehemaligen Bundesligaprofi Peter Közle … geboren in Bayern.

 

Verhalf der Stürmer Anfang der 90er noch dem Grashopper Club Zürich zur Meisterschaft, startete er 1993 seine Karriere auf deutschem Bundesliga-Rasen. Schon in seiner ersten Saison beim MSV Duisburg schlug er ein wie eine Bombe. Nicht nur seine äußeren Eigenarten wie seine Begeisterung für die Kamera, sondern auch starke 13 Saisontreffer machten Közle zum Publikumsliebling der Zebras. In Zürich noch stadtunbekannt, genoss der Kultkicker nun die mediale Präsenz, vor allem aber den Ruhrpott. Er fühlte sich so heimisch, dass er beschloss, eine Fankneipe in Duisburg zu eröffnen und dauerhaft zu bleiben. Schwitzte er die ganze Woche über hart für den Klub, so liebte er es am Wochenende seinen Feierabend in der Kneipe oder Disco ausklingen zu lassen. Das kam bei den Fans so lange gut an, bis die sportlichen Leistungen und Erfolge stimmten. In seiner zweiten Saison sollte sich das dramatisch ändern.

Der MSV befand sich zur Rückrunde 1995 in einer sportlichen Krise, für die Közle zunehmend von den Fans verantwortlich gemacht wurde. Nach einer verpassten hundertprozentigen Torchance im Spiel gegen den KFC Uerdingen erhielt der Ex-Bundesligaprofi von frustierten Fans Drohungen und Anfeindungen. So wurde er vom Held zur Hassfigur. Im Stadion riefen ihm manche Fans zu: „Ich bring dich um!“ oder „Schneid dir endlich mal die Haare ab, du Penner!“. Abends in der Kneipe durften jene ihm das gleiche noch mal sagen, diesmal ohne Zaun. Im April 1995 bat er die sportlich Verantwortlichen um seine Vertragsauflösung und verließ die Stadt.

 

Doch lange blieb er seiner neuen Heimat nicht fern. Nach einem Anruf von Klaus Toppmüller ging es wieder zurück in den Pott, zum VfL Bochum. Wie das Schicksal so spielt, durfte er in seinem ersten Pflichtspiel für Bochum gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber ran. Wie das Schicksal so spielt, schoss gerade Peter Közle den 1:0-Siegtreffer gegen die Zebras. In der Saison 1997/1998 erreichte er sogar mit dem VfL den UEFA-Cup und feierte so seinen größten sportlichen Erfolg. Nach einem vom Verletzungspech verfolgten dritten Jahr folgte der sportliche Abstieg zum Regionalligisten Union Berlin, bei dem er sich auch nicht wirklich wohl fühlte. Auch eine Rückkehr zur alten Hassliebe verlief aufgrund von Verletzungen unglücklich. Heute zieht der Kultkicker sein Familienleben den Kneipensessions vor.

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